Das begriff ich gut. Ich war sehr darauf bedacht, niemandem in den Weg zu kommen, und sah mit Staunen zu, wie der über mannshohe Granitblock ausgeladen und auf einer Stahlplatte mit Rädern ins Atelier transportiert wurde. Albert und drei weitere Männer konzentrierten sich ganz auf die schwere Arbeit. Schon damals wurde ich gewahr, dass Albert ein ganz besonderes Verhältnis zum Stein als solchem besass. Er schien sich auf den bevorstehenden Kampf mit dem Block zu freuen, dem er in langer physischer Arbeit die Form abzuringen gedachte, welche ihm vorschwebte. Ich begriff auch, dass er diese zuerst in Ton und in Wachs in verschiedenen Fassungen ausgearbeitet hatte. Die Tonmodelle, so lernte ich, mussten mit feuchtem Tuch bedeckt werden, um plastisch und damit bearbeitbar zu bleiben. Und ich sah die verschiebbaren Eisenstangen, die dazu dienten, die ersten groben Umrisse des Modells auf den Stein zu übertragen. Die eigentliche Feinarbeit, so wurde mir klar, würde dann später direkt auf dem Stein erfolgen. Der große Steinblock war spürbar für den Bildhauer eine Befriedigung und eine Herausforderung; mit ihm würde er sich messen und ihm gegenüber behaupten. Doch es war nicht ein Kampf, mehr ein Eingehen auf den Stein, seine Form, Oberfläche und Kornstruktur. Er wollte aus ihm herausholen, was darin steckte und was er darin zu finden verstand: Schwerarbeit schon, aber auch Umwerbung des Steins. Ich hätte es damals wohl nicht so ausdrücken können. Doch erinnere ich mich sehr genau an die Entdeckung der handwerklichen Dimension, die in der Bildhauerei steckte und an der Albert offensichtlich sehr viel lag.
Von dem Besuch ist mir weiter in Erinnerung geblieben, dass ich als baby sitter dienen durfte. Ich war stolz darauf, diese Vertrauensaufgabe zu erhalten. Seit der Geburt der kleinen Eva hatte Agnes nie mehr Gelegenheit gehabt, mit ihrem Mann auszugehen, weil sie die Kleine nicht allein lassen wollte, erzählte sie mir. Und sie meinte, ich könnte doch einen Abend lang, nachdem sie sie schlafen gelegt hätte, auf das kleine Kind aufpassen. Das geschah dann auch. Ich erhielt eine Telefonnummer, um im Notfall Alarm zu geben. Doch das war nicht nötig; zu meiner Erleichterung schlief das kleine Geschöpf durch, bis die beiden nach Hause kamen.