Albert Schilling in Alt-Ägypten

Ein Ereignis im Umkreis von Assuan bleibt mir besonders lebhaft in Erinnerung. Mit der Schilling-Gruppe unternahm ich einen sonst nicht üblichen Ausflug zu jenem alten Ruinenkomplex in der südwestlichen Wüste, das dem frühchristlichen ägyptischen Eremiten Simeon zubenannte Kloster aus dem 8. Jahrhundert. Ich wollte insbesondere dem Bildhauer-Theologen ein faszinierendes Symbolzeichen zeigen.

Mit Schilling stiegen wir hinab in die kleine überwölbte Mönchszelle, wo ich seine langsam dem Dämmer sich anpassenden Augen auf das Dreiecks-Zeichen hoch an der alten Kalkwand lenkte. Schilling stand tief betroffen schweigend davor. Dann sagte er leise: „So klar und eindeutig ist mir das Zeichen der Drei-Einigkeit nie begegnet. Hier ist das Geheimnis der Drei-Faltigkeit wortlos bildhaft geworden.“ Ein Wüstenmönch muss es in einer Innen-Schau gesehen und betend handgross an die Wand seiner Zelle gepinselt haben zur bleibenden, unfasslich Göttliches erfahrenden Meditation.

Schilling hat das Dreieckssymbol dann sofort in sein Skizzenbuch eingezeichnet, mehrmals ansetzend, weil es ihm auf ersten Anhieb gar nicht gelingen wollte.

Heimgekehrt hat er später dieses vom frühchristlichen Mönch gemalte Zeichen mehrmals in die tastbare Körperform eines Reliefs eingestaltet. Einem fast zwei Tonnen schweren Kalkblock zur Erinnerung an seinen Freund, den ersten Pfarrer der Basler Bruderholzpfarrei Robert Lang (1961–1976), eingemeißelt, bleibt dieses, wie es Schilling genannt hat, „wesentlichste Symbol der Trinität“ im wechselnden Tageslicht auf dem Platz vor der Kirche dauernd allen Kirchgängern zur Betrachtung sichtbar.