Präsenz | Gegenwart | Ewigkeit

Albert Schilling, 1985, in Mensch, Stein, Ewigkeit

Das lateinische Wort für Gegenwart ist „praesentia“. Die Ägypter stellten in ihrer Bilderschrift das Wort „Bildhauer“ folgendermaßen dar: „der Mensch, der den Dingen Ewigkeit verleiht“. Ewigkeit ist Gegenwart ohne Zukunft, denn die Zukunft bedingt schon in sich selber Vergangenheit.

Von einer Schauspielerin sagen wir, sie habe eine starke Präsenz. Der Bildhauer ist also der Mensch, der den Dingen Präsenz verleiht, das heisst ein intensives Dasein. Ich habe schon viel darüber nachgedacht, was denn eigentlich der Kern ist – warum ich immer wieder eine neue Plastik mache, obwohl ja das Atelier schon voll ist.

Warum so viel Staub und so viel Mühsal? Warum immer wieder eine neue Skulptur? Das ganz entscheidend Spannende an der Arbeit des Bildhauers ist die ständig wachsende Präsenz – vom Beginn der Arbeit am unförmigen Werkstück. Diese Präsenz wird immer klarer, immer bestimmter, die Steinmasse wird immer realer und der Stein selbst immer dichter.

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