Von Arnold Hottinger, Madrid (in Erinnerungen, 2004)
Meine Erinnerungen an Albert Schilling gehen auf meine Primarschulzeit zurück. Die erste Eisenbahnreise, die ich alleine, ohne Begleitung Erwachsener, unternehmen durfte, ging von Basel nach Zürich, wo Agnes und Albert Schilling nach ihrer Heirat wohnten und ich sie besuchen durfte. Mit Agnes war ich seit früher Kindheit eng vertraut, weil sie lange Zeit im Haus meiner Grosseltern in Deutschland gearbeitet hatte und ich in ihrer Obhut teilweise aufgewachsen war. Sie holte mich am Bahnhof ab, nachdem meine Mutter mich in Basel in den Wagen gesetzt hatte. Ich war vielleicht eine Woche lang Gast in der kleinen Stadtwohnung der Schillings und bekam damals zum ersten Mal in meinem Leben das Atelier eines Künstlers zu Gesicht. Was dort genau geschah, vermochte ich nicht wirklich zu ermessen. Albert schlug aus Steinen Figuren. Einmal war ich dabei, als ein sehr großer und schwerer Stein ins Atelier transportiert wurde. Agnes hatte mich gewarnt: „Wenn die Männer so schwer arbeiten müssen, wie das bei einem solchen Transport der Fall ist, werden sie manchmal unwirsch und ungeduldig. Du darfst zusehen, aber du musst darauf achten, ihnen nicht in die Quere zu kommen.“