Albert Schilling (1904-1987)

 

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Aktualisiert am
26.04.2004 von
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 Erinnerungen an Albert Schilling

Erinnerungen an Albert Schilling

von Catherine Chrétien
Bildhauerin, Berlin

Als Albert Schilling bei meinen Eltern Fotografien meiner ersten Bildhauerarbeiten sah, bot er mir an, ihm bei dem Innenausbau der Kapelle im Bruderholzspital zu assistieren. So bekam ich einen guten Einblick in den Alltag eines Bildhauers. Schilling erklärte mir jede Handbewegung und alle Entscheidungen die er traf. Er ließ mich tüchtig mitwerken und wo er hinging, nahm er mich möglichst mit. Wenn nicht, blieb ich in seinem Atelier und arbeitete an einer eigenen Arbeit, die er mir aufgab. Einmal musste ich seine in Gips abgeformte Hand in Ton nachmodellieren. Wie ihm seinerzeit Gustav Seitz in Berlin, bewies Schilling mir anhand eines Fadens, den er kreuz und quer über die Hand legte, wie unendlich reich oder wie unendlich einfach die Natur geschaffen ist. Ich lernte sehen, wie an einem natürlichen Körper die verschiedenen Flächen jeweils an einer Stelle nahtlos ineinander übergehen, da ist die Natur einfach. Und wie ansonsten sich die unterschiedlichen Flächen kantig voneinander absetzen, da ist die Natur reich und kompliziert. Im gemeinsamen Arbeiten zeigte mir Schilling das Umsetzen von Projekten, auch lernte ich weitere Materialien und Techniken kennen.

Bald kam es vor, dass ich zusammen mit der Familie Schilling am gedeckten Mittagstisch saß. Ich liebte es während des Schmausens den originellen Erzählungen von Frau Agnes Schilling zu lauschen. Besonders schön war es, wenn sich Tochter Roswita mit Baby Romana dazugesellte.

Nach ein paar Monaten Arbeit wagte ich die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Ein halbes Jahr später sollte ich im gleichen Raum (!) wie damals Albert Schilling mein Studium bei Professor Bernhard Heiliger beginnen. Wenige Jahre nach bestandener Meisterschüler-Prüfung übertrug mir Albert Schilling mit den Worten "ich kenne niemanden, der es besser kann als du" seinen Auftrag für einen Tabernakel in der Krypta des Doms zu Arlesheim. Es gab eine lange Diskussion über meinen skizzierten Vorschlag, der Schilling zu anspruchsvoll schien. Daraufhin fertigte ich ein Modell in Gips. Albert Schilling konnte es leider nicht mehr sehen. Pfarrer Josef Schwegler nahm das Modell begeistert auf und setzte sich mit Engelsgeduld für die Durchsetzung bei der Kirchgemeinde ein. In der Domkrypta dienen und begegnen sich Albert Schillings und meine Arbeit. Meine Empfindung: Glück und Dankbarkeit.

In seinen Arbeiten setzte Albert Schilling meist Gegensätze in Beziehung zueinander: Unbehauene, raue Steinflächen zu geschliffenen, polierten, runde Formen zu eckigen, konkave zu konvexen. In den späten Werken entstanden so an den tiefsten Berührungspunkten Durchbrüche. Einmal sagte Schilling:

„Es geht mir immer mehr um's Sein...". Diese Worte berührten mich tief, ohne dass ich sie verstand. Zum Dank an Albert Schilling möchte ich ihm folgende Zeilen widmen:

Die Liebe kennt keinen Gegensatz und ist unendlich. Sie durchdringt alles was ist, denn sie selbst ist das IST, zusammen mit dem Glück, der Freude, dem Frieden. Unser Geist kann dies leugnen und die Liebe als begrenzt sehen, indem er einen Gegensatz schafft und indem er sich mit diesem Gegensatz identifiziert, wird dieser scheinbar wirklich und wir fangen an zu leiden. Mit dem Zurückfinden in den gegenwärtigen Augenblick, wo wir alles annehmen, was da ist, können wir ins einfache Sein zurückfinden, wo wir von der immer gegenwärtigen Liebe durchdrungen und geheilt werden.

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