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Erinnerungen
an Albert Schilling
Die hohe Kunst der Bildhauergestaltung
Von Werner Blaser
Architekt BSA SIA, Basel
Bald sind es vierzig Jahre her, seit dem
mich Albert Schilling zusammen mit Paul Seiberth und Ernst Baumann in sein
Team der Friedhofgestaltung Bromhübel in Arlesheim eingliederte. Es ging ihm
um die Zusammenführung von Natur, Architektur und Skulptur, die bis heute
unverändert immer noch klar ersichtlich ist. Die Skulpturen im Friedhof
alterten nicht, nur die Gräber haben sich vermehrt und seine Eichenbäume
sind grösser geworden. Seine Plastik am Eingang im Walliser Collombey Stein
besitzt heute noch dieselbe Ausstrahlung des Friedens, der Stille und
Vollkommenheit. Das Gleiche kann man über den zum Dorf hin ausgerichteten
und von niedrigen perlgrauen Sichtbacksteinwänden umschlossenen
Kinderfriedhof sagen. Die drei wesentlichen Elemente von Albert Schilling
waren: das am höchsten Punkt des Geländes gelegene einfache steinerne Kreuz,
das Bodenmosaik am Vorplatz vor der Abdankungshalle und das Broncetor als
Eingang zum Friedhof. Alle aktivieren Seele und Geist. Er verstand, die
Bildhauerkunst mit seiner Sehkunst zum Klingen zu bringen. Dies alles machte
die Anlage zu einem geistigen Ort, ein Topos als Ort der Gestalt, wo sich
das Ganze nach dem Sinnvollen und Wahren integriert.
Albert Schilling, der in diesem Jahre seinen
100. Geburtstag feiern würde, war eine Persönlichkeit. Er lebte
zurückgezogen in der Stille des Denkens – seiner Art des Denkens. Er war ein
Alltäglicher, der nicht von oben herab auf das Leben blickte, sondern es von
innen erwanderte. Aus modesten Geschicken setzte er seine Zeitläufe
zusammen. Sein Werk des Archetyps, mit dem er die Gewogenheit seiner
Bewunderer gewann, bleibt wie es scheint, für immer. Den Menschen mit seinen
Skulpturen in die Seele schauen und mit sich und der Welt in Harmonie sein,
waren seine Wurzeln. Seine Klarheit führte das Auge zum Verweilen, zur
Beschaulichkeit einladend, die das Denken immer wieder in die Mitte führt
und das Fühlen in der Spannung einer magischen Ausstrahlung hält. Und darin
liegt die Bedeutung der imaginären Gestalt und geistigen Kräfte seiner
Skulpturobjekte. Jede Arbeit geschah im Kopf, vollzog sich in dem Willen,
das Gedachte festzuhalten, die sein Leben geformt hatte und dann mit ihren
Möglichkeiten neu zu interpretieren und fortzusetzen. Der Geist in ihm war
darum seine elementare Kraft.
Sein Werk war zusätzlich auch auf seine
nachfolgende Generation ausgerichtet. Es blieb sein Wunsch offen, dass seine
Erkenntnisse im neuen Zeitalter von jungen Talenten der Bildhauerkunst im
Schaffen von Ordnung und Wahrheit als Gesetz, Konstruieren und Modulieren
als Freiheit von aufgeschlossenen Bürgern wieder übernommen würden. Es wäre
zu wünschen, dass sich den Jungen sein in vielen Jahren seines Schaffens
erarbeitete Anliegen, dass in der Bildhauerkunst Natur und Gestalt eins
bleiben, eröffnet. |