Albert Schilling (1904-1987)

 

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Aktualisiert am
26.04.2004 von
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 Erinnerungen an Albert Schilling

Erinnerungen an einen grossen Bildhauer,
oder wie ich mit Albert Schilling bekannt wurde!

Von Bruno Leuthold
Schmied, Alt-Regierungsrat Stans NW

In seiner Dankesadresse am Schluss des Bandes 8 über Sakrale Kunst, herausgegeben von der Schweiz. Lukasgesellschaft anno 1966, also vor bald vierzig Jahren würdigte Albert Schilling die Zusammenarbeit mit verschiedenen Leuten und schreibt u.a.:

" ... dann dem Schmiedemeister Bruno Leuthold in Stans, in dessen Schmiede wir nach Feierabend manche Stunde zusammen gearbeitet haben".

Schon damals war ich freudig überrascht und erstaunt über diese Aufmerksamkeit, konnte ich doch nicht ahnen, im Umfeld seines grossartigen Wirkens einen solchen Platz eingenommen zu haben. Ähnliche Gefühle hege ich auch heute wieder bei der Anfrage seiner Tochter Roswita, mich im Rahmen dieser Publikation über meine Beziehung zu diesem grossen Meister zu äussern.

Unsere ersten Begegnungen liegen wohl über sechzig Jahre zurück. Als 16-jähriger trat ich 1939 bei meinem Vater in die Schmiede- und Schlosserlehre ein. Also im selben Jahr, als Albert Schilling sein Atelier in Stans bezog.

Schon bald entdeckte Schilling die altvertraute Schmiede am Dorfbach in der Schmiedgasse in Stans. An diesem heimeligen Ort wurde schon seit Generationen geschmiedet, Pferde und Wagen beschlagen. Die Werkstatt und das dazugehörende Haus "Waltersbergli", das nach neuesten Erkenntnissen um 1380 (!) erbaut worden ist, hatten es offensichtlich Albert Schilling angetan. Er spürte bald, hier wird das althergebrachte Handwerk noch gelebt und praktiziert. Mein Vater, der noch mit 80 Jahren am Ambos stand, war ein wahrer Meister im Bereitstellen verschiedenster Werkzeuge für die Holz- und Steinbearbeitung. Besonders die Technik des "Härtens" - ein Verfahren, dem Stahl die nötige Zähigkeit und Härte zu verleihen - beherrschte er perfekt. So verliessen eine Unzahl von Spitzeisen und Steinmeissel unsere Schmiede, um im Schilling-Atelier beim Abbau eines Steinblockes von Hand - Kompressoren kannte man damals noch kaum - zum Einsatz zu kommen.

Als jugendlicher, begieriger Stift, verfolgte ich diese Phase mit grösster Aufmerksamkeit, was dem Bildhauer aufgefallen sein muss. Die Künstlerpersönlichkeit Albert Schilling, seine bescheidene, jedoch aber überzeugende Art im Umgang mit den Mitmenschen und seine grosse Ausstrahlung faszinierten mich zunehmend. Ich - der ich mich bis anhin kaum mit Kunst oder gar der Bildhauerei befasst hatte - begann zu erfassen, hier einem aussergewöhnlichen Menschen gegenüber zu stehen. Umgekehrt konnte einem nicht entgehen, wie sehr er sich um diesen, ihm bisher wenig bekannten Werkstoff - dem Schmiedeeisen - zu interessieren begann.

Es folgten Besuche in seinem Atelier an der Mürgstrasse, gut einen Steinwurf entfernt von der Schmiede. Diese Begegnungen weckten in mir das Verlangen, mich selber in vermehrten Masse, dem gestalterischen Werken zuzuwenden. Die wachsende, gegenseitige Übereinstimmung und Sympathie zwischen uns zweien war die logische Folge dieser Entwicklung. Schliesslich kamen wir überein, uns nach Feierabend - frei von jeglichen äusseren Störungen - gemeinsam dem schöpferischen Gestalten am Ambos zu widmen. Diese abendlichen Stunden zählen zu den kreativsten und schönsten in meiner beruflichen Laufbahn. Schilling hatte mir die Augen geöffnet.

Sein Einfluss auf mein künftiges Schaffen war von nachhaltiger Wirkung. Beim nächtlichen Werken gestand er mir, dass der Umgang mit dem glühenden Eisen für ihn eine völlig neue Erfahrung bedeutete. Bei der Steinbearbeitung lässt man sich Zeit, schmieden dagegen ist nur möglich, solange das Eisen wirklich glüht. Dies erfordert eine äusserste Konzentration und dementsprechend rasche Arbeitsweise, was er anfänglich als schrecklich aufregend empfand. Ich war, zusammen mit neun Geschwistern, ein Spross einer typischen Handwerker-Familie. Er, der Akademiker und Künstler, stammte gleichsam aus einer anderen Welt. Und trotzdem fanden wir uns ausgezeichnet zusammen, was auch angesichts des Altersunterschiedes von 20 Jahren keine Selbstverständlichkeit war.

Aus dieser glücklichen Verbindung ergab sich eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit. Es entstanden Werke, auf die ich heute noch stolz bin, vorab im kirchlichen Bereich. Ich denke da vor allem an die verschiedenen Kruzifixe, Tabernakel, Leuchter, Brunnen, Figuren usw. Dabei suchten und versuchten wir immer wieder nach neuen Materialverbindungen, neuen Formen und Techniken. So z.B. in der Kirche St. Michael in Basel. Die geschmiedeten und geformten Eisenprofile wurden im glühenden Zustande gekerbt, die so entstandenen Rillen mit geschmolzenem Messing ausgegossen und geglättet. Das Resultat verblüffte und dessen Wirkung lässt sich mit derjenigen von Intarsien vergleichen.

Albert Schilling öffnete mir auch den Zugang zu andern, ihm nahestehenden Künstlern wie Xaver Ruckstuhl, Toni Flüeler, Paul Stöckli, Hugo Imfeld, usf.

Nach Schillings Wegzug von Stans nach Arlesheim im Jahre 1946, dauerte dieses wunderbare Zusammenspiel vorerst noch an. Mit der Zeit jedoch wurden die Kontakte spärlicher, erfuhren jedoch eine mir liebgewordene Vertiefung. 1946 bis 1948 absolvierte ich die Schweiz. Schlosserfachschule in Basel. Während dieser Zeit luden mich die Schillings regelmässig zu einem Besuch in ihr Künstlerheim am Homburgweg ein. Ab und zu versuchten wir uns gar im Blockflöten- und Gitarren-Spiel. Mit einer gewissen Wehmut über die Vergänglichkeit von Allem, was uns lieb und teuer ist, erinnere ich mich gut und gern an diese kostbaren Stunden in diesem harmonischen Kreise.

Vor mir an der Wand hängt ein Relief in Engl. Zement. Es stellt die HI. Cäcilia an der Orgel dar. Es dürfte sich um den Entwurf zu einer Medaille handeln. Auf der Rückseite findet sich die Widmung:

"Herr Bruno Leuthold sehr herzlich zugeeignet 29.1.58. Albert Schilling"

So werde ich dauernd an diese herausragende Persönlichkeit, an den Freund und Künstler erinnert, der mir so viel gegeben hat.

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